Donnerstag, 25. August 2016

Fünf am Meer von Emma Sternberg

Klappentext:
Es zieht Linn den Boden unter den Füßen weg, als sie ihren Verlobten in flagranti erwischt. Aber dann erfährt sie, dass sie geerbt hat – und findet sich in einem Haus in den Hamptons wieder, direkt am Meer. Die Bewohner, fünf lebenslustige Senioren, wachsen Linn bald ans Herz, genauso wie die gemeinsamen Granatapfel-Manhattans und die Storys über ihre glamouröse Tante Dorothy. Doch dann taucht dieser attraktive Journalist auf, der noch ein bisschen mehr zu wissen scheint ...




Wieso beginnen so viele Romane oft mit "Protagonisten verlieren Job und Freund und kommen unverhofft zu viel Geld oder Haus oder beidem"? 

So ähnlich auch hier. Kaum erwischt Linn ihren Freund inflagranti, steht ein amerikanischer Anwalt in der Türe, der ihr etwas von einer ihr unbekannten, verstorbenen Tante, die ihr ein Haus in den Staaten vererbt hat, erzählt. Linn lässt alles stehen und fliegt schnurstracks nach New York, um sich das Haus anzusehen. Das Haus entpuppt sich als alte Villa in den Hamptons mit viel Umschwung. Linn ist verzaubert vom Anwesen und ihren Bewohnern, alles Freunde ihrer Tante, doch leider ist es baufällig und die Erbgeschichte komplizierter als zuerst vermutet. 

Das Sea Whisper Inn ist Heimat geworden für die fünf Hausbewohner: Patty, Ornella, Eleonore, Maxwell und Frederic. Sie wissen, dass sie das Haus verlieren können und doch laden sie Linn ein, bei ihnen zu wohnen. Linn lernt die Bewohner, die Geschichte des Hauses und auch den Lebensweg ihrer Tante Dorothy kennen. Leider hat sie nicht lange Ruhe - der Anwalt und ein Reporter wollen schnelle Antworten, die Linn noch nicht hat. 

Das Buch ist eine Art Familienroman in Patchwork-Optik. Die Charaktere sind vielfältig und verstecken hinter ihrer Fassade viel Unerwartetes. Auch der Zwiespalt von Linn wurde gut beschrieben.
Linn, die nie eine Familie hatte, fühlt sich sehr wohl in ihrer neuen, temporären Umgebung. Auch ich habe mich im Roman mit dem passenden Cover wohl gefühlt. Ein Blick aufs Meer, wie man es vom Garten des Sea Whisper Inn aus sieht. 

Bis auf den vertrackten Anfang lässt sich das Buch schnell und lustvoll verschlingen. Immer wieder verblüfft, erstaunt eine überraschende Wendung - bis hin zum Ende. 

Fazit: Ein bemerkenswert guter Sommerroman, der bis zum Ende überrascht.
4 Punkte.

Mittwoch, 24. August 2016

Die Geheimnisse der Küche des mittleren Westens von J. Ryan Stradal

Klappentext:
Eva Thorvalds Kochkunst ist legendär: Für einen Platz bei einem ihrer Pop-up-Dinner zahlt man vierstellige Beträge und wartet mehrere Jahre. Für Cynthia Hargreaves jedoch geht es dabei um mehr als bloße Gaumenfreuden, es ist ihre einzige Chance, um einen schrecklichen Fehler wiedergutzumachen. Eine Geschichte über die Familie, die man verliert, Freunde, die man findet, und Zufallsbekanntschaften, die ein ganzes Leben bestimmen.




Die Idee eines Pop-up-Dinners fand ich toll, Romane übers Kochen mag ich und so war ich aufgrund der Buchbeschreibung neugierig auf das Buch. Der Klappentext verhiess mir einen Roman über eine Köchin und die Schlagzeile auf der Verlagsseite versprach "es sei ein imposantes Meisterstück". Während ich das erste Kapitel las, in dem Lars Thorwald sein Leben und die Geburt von Eva schilderte, glaubte ich der "The New York Times", von der diese Schlagzeile stammt, noch.

Mit viel Wortwitz beschreibt dort, im ersten Kapitel, der Autor wie Evas Vater Lars als Kind jeweils Lutefisk zu Weihnachten zubereitete und einige Jahre danach die Nahrungsaufnahme für sein Baby, die zwei Monate alte Eva, plante. Im zweiten Kapitel ist Eva bereits 11 Jahre alt und züchtet scharfe Chilisorten. Spätestens jetzt war meine Erwartungshaltung gross. 
Doch ab dem dritten Kapitel geht es bergab. Es ist kein Roman mehr, in dem Eva die Hauptrolle spielt, sondern eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten. Evas Leben bleibt zwar der rote Faden, doch sie selbst wird zum Statist. Nie kommt sie zu Wort, sie wird ausschliesslich durch ihre Begleiter beschrieben. Sie verblasst.
Vielmehr werden die Geschichten anderer Personen erzählt, in denen Eva einfach irgendwie dabei ist, mal mehr mal weniger. In grossen Zeitsprüngen hüpft man von einer Episode zur anderen. Kaum wird es irgendwo interessant, wird gestoppt und Jahre später geht es weiter.  

Der Klappentext spricht nur das erste und letzte Kapitel an. Zwischen dem dritten und letztem Kapitel ist das Buch gespickt voll mit Ereignissen, mit vielen unsympathischen Charakteren, einer vulgären Sprache - und doch bleibt alles monoton. 
Mir fehlte die Wärme, die Emotionen und dabei auch Zeilen über Evas Begeisterung zum Kochen. Sie kochte halt. Zufälligerweise sehr gut mit ihrem ausgeprägten Geschmackssinn. Aber das war es dann auch. Ich konnte keinerlei Bezug zu Eva herstellen auf den sich hinziehenden 448 Seiten.

Wieso die einfache und bodenständige Eva gegen Schluss immer mehr Geld für ihre Dinnerveranstaltungen wollte und nur wirklich Gutbetuchte diese sich leisten konnten, blieb mir bis zum Schluss ein Rätsel.

Es schien mir so, als ob der Autor die Gourmetindustrie ins Lächerliche ziehen wollte. Irgendwann wirkten die Diskussionen über die richtige Tomatensorte, den perfekten Mais, den genauen Erntezeitpunkt, etc. nur noch aufgesetzt. Der anfängliche witzige Schreibstil ging auf dem Weg verloren. Die Liebe zum Genuss, zum guten Essen, sowieso.

Wie in einer Nouvelle Cuisine Menü-Abfolge werden einem die kurzen Geschichten häppchenweise serviert. Und genau wie nach solch einem verspeisten Menü fragt man sich am Ende, ob das alles war. Die Vorspeise war toll und machte Lust auf mehr, das Dessert okay. Dazwischen war es fade. Es war sicher mal etwas anderes, aber es ist definitiv kein Dinner welches einem in Erinnerung bleibt. 

Fazit: Ein emotionsloses Aneinandereihen diverser Kurzgeschichten, in denen die Protagonistin zum Statist verkommt. Die Vorspeise - das erste Kapitel - hat gemundet, der Rest leider nicht mehr. 
3 Punkte.



Dienstag, 23. August 2016

Für immer und ein Leben lang von Sarah Morgan (Puffin Island 2)

Klappentext:
Die Archäologin Brittany Forrest ist ein echtes Inselkind - den Kopf voller Abenteuer, das Herz auf den Lippen und die Hände am liebsten tief im Schlamm vergraben. Mit stürmischen achtzehn heiratet sie keinen geringeren als den Insel-Badboy Zachary Flynn - und schon in den Flitterwochen fliegen die Fetzen. Scheidung inklusive. Und wäre da nicht ein Unfall, der sie unerwartet in ihre Heimat - und zu Zachary - zurückführt, bestimmt hätte sie den Draufgänger für immer vergessen. Aber wenn die Nächte länger werden auf Puffin Island, entfaltet die idyllische Insel einen besonderen Zauber …


Im zweiten Teil der Serie fliegt Brittany aufgrund ihres gebrochenen Handgelenks zurück nach Puffin Island. Nik und Lilly (aus "Zwischen Vernunft und Sinnlichkeit") nehmen sie mit und organisieren ihr einen Flug auf die Insel. Beim Anblick des Piloten erstarrt sie - es ist Zach, ihr Ex-Mann. Zwei Wochen waren sie verheiratet, damals mit 18, vor zehn Jahren. Bevor Zach sie verliess. Jetzt stehen sie sich erstmals gegenüber. Brittany gibt sich tough und stark, doch vergessen hat sie ihn nie. Zach geht es nicht besser, obwohl er sich für gefühlsresistent hält. Zurück auf der Insel sorgen die beiden für viel Gesprächsstoff und Getratsche. Trotzdem treffen sie sich öfters, und bald schon können sie ihre Coolness-Schutzmauer nicht mehr aufrecht erhalten.

Als Archäologin weiss Brittany, dass es viel Geduld braucht beim Abtragen alter Erdschichten, so auch beim Abtragen von Verletzungen, die Zach in seiner Kindheit zugefügt wurden - Zach denkt, er könne niemandem trauen und sich nicht auf andere einlassen. 
Brittany fühlt sich bald wieder wohl zuhause auf der Insel und will eigentlich gar nicht mehr weg - sie steht vor der grossen Entscheidungsfrage. 

Warmherzig und gefühlvoll beschreibt Sarah Morgan die Geschichte von Zach und Brittany. Sie klärt die frühe Heirat auf, und lässt die beiden ihre Vergangenheit aufarbeiten. Das Summer Camp spielt eine noch grössere Rolle als im ersten Band, da Zach dort verantwortungsvoll mitarbeitet. Eine Geschichte über zwei Kinder und einen Hund wird hinein gebettet, es sind ähnliche Charaktere wie Zach. Nur ist ihm das nicht bewusst. Erst als Brittany und ihre Freunde ihm hartnäckig zeigen, dass Freunde die Familie ersetzen kann und man sich auf Freunde verlassen kann, taut er auf. 

Ähnlich wie bei Lilly und Nik findet ein Grossteil der Geschichte horizontal statt. Wenngleich es auch hier zur Geschichte gehört, füllten die Erotik-Szenen mir zu viele Seiten und ich ziehe deshalb einen halben Punkt ab. 

Auch die Gemeinschaft auf der Insel ist erneut Thema - spätestens wenn du einen Gratin vor der Türe stehen hast, weisst du, dass du Hilfe brauchst. Und wenn es nur zum Aufessen des Gratins ist ;-) 

Fazit: Fast volle Punktzahl für diesen tollen Pageturner über Vertrauen, Gemeinschaft und natürlich für die Bewohner von Puffin Island!
4.5 Punkte.

Vielen Dank an den Mira Taschenbuch Verlag! 

Reihenfolge der Puffin Island-Serie:

Teil 1 (Emily): Einmal hin und für immer
Teil 2 (Brittany): Für immer und ein Leben lang
Teil 3 (Skylar): Für immer und einen Weihnachtsmorgen - erscheint am 10. Oktober 2016

Montag, 22. August 2016

KrimiMimi: Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs von Pierre Martin (I. Bonnet Band 3)

Klappentext:
Das Sirren der Zikaden, der würzige Duft von Lavendel und hinter sanft geschwungenen Hügeln das azurblaue Meer, von einem silbrigen Schleier aus flimmerndem Licht ins Reich der Märchen gerückt. Das Dörfchen Fragolin im Hinterland der Côte d’Azur wäre der ideale Ort, um die Seele baumeln zu lassen – doch dazu fehlt Kommissarin Isabelle Bonnet mal wieder die Zeit. Der angebliche Selbstmord eines hohen Polizeibeamten, der Besuch eines exzentrischen Bekannten und ein Überfall auf ein Juweliergeschäft an der Croisette in Cannes halten Madame le Commissaire in Atem.


Isabelle und Apollinaire haben einen tollen Job - je nach Lust und Laune können sie alte ungelöste Fälle aufarbeiten. Sie einigen sich auf den ungelösten Raubüberfall auf eine Bijouterie in Cannes. Doch kaum beginnen sie, werden sie vom Selbstmord des ungeliebten Polizeichefs Bastian unterrichtet. Beide hatten ihre Kämpfe mit ihm und mögen ihn nicht, trotzdem will Isabelle nicht so recht an einen Selbstmord glauben. Als Belancourt sie dezent darauf ansetzt, passen die Nachforschungen Bastians Nachfolger nicht. Doch Isabelle bleibt dran, währenddem Apollinaire alleine den Juwelierfall aufarbeitet.
Privat nervt sich Isabelle über Thierry der nun in Paris Politik betreibt. Um das Leben zu geniessen trifft sie sich "grad z'leid" mit Kunsthändler Rouven, dem Zeugen aus Band 2. Er führt sie ein in die Welt der Reichen, und hilft ihr unerwartet bei den Ermittlungen.

Isabelle gibt alles in diesem dritten Band. Sie packt die unliebsame Ermittlung an und verkauft Bastians Nachfolger, dass sie diese Nachforschung unnötig findet. Die Sache mit Thierry scheint sie aber doch ein bisschen abzulenken; verschläft somit einige Infos, die ihr helfen hätten können. Aber Isabelle schafft es auch so die Wahrheit heraus zu bekommen, alles andere würde überraschen. 
Apollinaire ist skurril wie immer. Ich mag diese zwei als Ermittlerteam!

"Der Tod des Polizeichefs" hat mich gut unterhalten und las sich fast von selbst. 

Fazit: Dritter und bester Band bisher! Spannend und absolut empfehlenswert.
5 Punkte.

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag!


Reihenfolge der Isabelle Bonnet-Serie:

Band 1: Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer
Band 2: Band 2: Madame le Commissaire und die späte Rache
Band 3: Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs

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Montagsfage 22.08.2016



Wie kommst du mit einem offenen Ende oder einem Cliffhanger klar?

Eigentlich mag ich beides nicht. 

Ein offenes Ende kann zu einem Buch passen, trotzdem bleibt das Gefühl, betrogen zu werden, denn ich zahle für ein ganzes Buch und bekomme das Ende nicht mit geliefert. Als ob bei der Ikea-Lieferung ein Tischbein fehlt. Bei Ikea könnte man wenigstens reklamieren und das fehlende Teil würde nachgeliefert.

Cliffhanger mag ich auch nicht besonders. Es kommt aber darauf an, wie er gesetzt wird. Als Zückerli und kleiner Ausblick für den nächsten Teil habe ich meistens nichts dagegen. Wenn aber die Auflösung wichtiger Schlüsselpunkte auf den nächsten Band verschoben werden, werde ich hässig. Sie nötigen einem fast dazu den nächsten Teil auch zu lesen.
Noch nerviger wird es, wenn es im nächsten Band mit einer anderen Hauptperson weiter geht und der Cliffhanger vom vorherigen Band nicht wirklich aufgelöst wird, sprich, sich als offenes Ende herausstellt. 


Apropos: am Mittwoch gibts eine Rezension zu einem Buch mit offenem Ende. Falls jemand offene Enden liebt ;-)

Und sonst...
Die Schulsommerferien sind zu Ende, meine Tochter ging heute morgen ganz aufgeregt zur Schule (neue Stufe, neue Lehrer, neue Klasse) und mich hat der Alltag wieder. Was bedeutet, dass eine gewisse Regelmässigkeit einkehrt und ich wieder mehr Zeit für den Blog habe. Die nächsten zwei Wochen komme ich endlich dazu viele angefangene Rezensionen zu Ende zu schreiben und neue zu beginnen. 

Ganz neu findet ihr nun oben rechts Social Media Buttons, über die ihr mir leicht folgen könnt. 

Obwohl uns diese Woche einige Sommertage erwarten, liegt der Herbst bereits deutlich in der Luft und somit ist auch die #FBM16, die Frankfurter Buchmesse nicht mehr weit. Die FBM liegt für mich datumsmässig blöd, immer in unseren Schul-Herbstferien. Dieses Jahr hätte ich nach Absprach mit meiner Familie zum ersten Mal nach Frankfurt reisen können, Donnerstag bis Samstag. Aber ich war wohl schon zu spät dran und habe leider keine passende, sprich zahlbare Unterkunft gefunden. Eventuell werde ich nun einfach am Freitag nach Frankfurt reisen und abends wieder zurück - vier Stunden Zugsfahrt pro Weg... ich überlege es mir noch :-) 
Derweil wünsche ich euch eine gute Woche!

Freitag, 19. August 2016

Ein wunderbarer Sommer von Kerry Fisher

Klappentext:
Blühender Oleander, Limonenduft und Herzklopfen – auf Korsika hat Octavia Sheldon unvergessliche Sommer verbracht und immer von einem romantischen Leben im Süden geträumt. Die Realität: englisches Nieselwetter statt Sonnenschein, und Liebe und Leidenschaft kochen auf Sparflamme. Verheiratet mit dem trägen Jonathan verbringt Octavia ihre Zeit vor allem mit Kindererziehung, Elternabenden und Bergen von Dreckwäsche. Als ihre beste Freundin sich scheiden lässt, kommt Octavia ins Grübeln. Was wäre, wenn auch sie selbst ausbrechen würde? Ausbrechen in Richtung Korsika – in Richtung des Mannes, den sie nie vergessen konnte ...

Als ich dieses Buch zu lesen angefangen habe, war ich verwirrt. Ich hatte Oleander, Limonenduft, Korsika und eine Octavia abgespeichert - stattdessen handelte das erste Kapitel von einer Roberta. Lesenswert waren die Seiten trotzdem, keine Frage, doch es war schon komisch, wenn von Korsika im ersten Viertel gar keine Rede ist, im zweiten Viertel nur einige Mal erwähnt wird und man erst im letzten Viertel den wilden Thymian von Korsika riecht.


Allerdings ist dies auch meine einzige Kritik - der deutsche Titel samt deutschem Klappentext ist unglücklich gewählt. Der Originaltitel "The Island Escape" und auch der englische Klappentext passen besser zum Buch, in dem es um zwei knapp 40jährige Freundinnen geht, die in ihrem Alltag mit Haushalt, Kindern und Arbeit nicht mehr wirklich glücklich sind.   


Abwechslungsweise handeln die Kapitel von Roberta oder Octavia, wobei im ersten Viertel das Leben von Roberta im Vordergrund steht. Ihr Mann Scott ist ein Egoist und Angeber, ein Grossprotz vom Feinsten. Er geht über Leichen solange es ihm dienlich ist, alles andere ist ihm egal. Roberta hat bald genug und wünscht sich einen Neuanfang. 


Ihrer chaotischen Freundin Octavia scheint es gut zu gehen mit ihrem Waldkindergarten, ihren drei Kindern und Mann Jonathan. Als er arbeitslos wird, merkt Octavia, dass auch sie so langsam nicht mehr zufrieden ist in ihrem Leben. Jonathan ist pedantisch und nervt. War es das, was sie sich von ihrem Leben erträumte? Immer mehr denkt sie an Korsika, an die Zeit ihrer ersten grossen Liebe, als sie frei und rebellisch leben konnte. 

Doch das Leben kam den beiden Frauen dazwischen, und es schreit alles nach einer zweiten Chance. 

Trotz der anfänglichen Verwirrung hat mich der Roman sofort gepackt. Der Einstieg, der auf der Polizeiwache beginnt, ist total gelungen. 
Inhaltlich konnte ich die Gedanken und Taten der so unterschiedlichen Freundinnen gut verstehen, denn ich glaube, jede Frau im Alter der Protagonistinnen (mit und ohne Familie) hatte sicher schon mehrmals vergleichbare Gedanken zu ihrem Leben. Die Autorin versteht es abzuwechseln und bringt eine grosse Spannbreite an Gefühlen aufs Tapet. Ernsthafte Momente wie lustige Situationen halten sich die Waage. Die gegensätzlichen Charaktere wie auch die tiefe Freundschaft, die zwischendurch einiges aushalten muss, sind gut getroffen. 

Der Roman begleitet die beiden Freundinnen über Tiefen und Höhen ihrer Freundschaft und es machte Spass ihn zu lesen.

Fazit: Eine schöne Geschichte über die jahrelange Freundschaft zweier Frauen, über Liebe, Träume und Veränderung.  
4 Punkte.

Dienstag, 16. August 2016

KrimiMimi: Istanbul Tango von Esmahan Aykol

Klappentext:
Sie tanzt Tango, wohnt in einer schicken Wohnung mitten in Istanbul, die Liebhaber kommen und gehen – doch seit kurzem schwebt die Modejournalistin Nil in Lebensgefahr. Um ihr zu helfen, setzt die Buchhändlerin Kati Hirschel ihre Krimi-Kenntnisse ein und beginnt zu recherchieren.







Wie hab ich mich auf diesen vierten Band der Kathi Hirschel-Serie gefreut! Jahrelang nix, nada und so nahm nahm an, dass keine weiteren Bücher mehr folgen werden, von der lässigen Krimiserie, die in Istanbul spielt. Welch eine Überraschung als ich erfahren habe, dass es doch weitergeht.

Als Ermittlerin eine deutsch-jüdische Buchhändlerin, die aufgrund ihrer Vorliebe für Kriminalromane sofort zur Stelle ist wenn etwas Ominöses passiert. Kathi ist frech, humorvoll, lacht und spricht viel - während sie los plaudert, ermittelt sie ganz nebenbei und bringt viel türkische Mentalitätanalysen ins Spiel. 

So war es jedenfalls bei den ersten Büchern, die ich liebte. Leichte Kost, aber immer witzig, charmant und interessant.

Im neuen Band stellen sich Kathis Ermittlerfühler aus, als sie hört, dass Modejournalistin Nil, eine Bekannte ihrer Mitarbeiterin Pelin, ohnmächtig zusammenbrach und jetzt im Krankenhaus liegt. Als sie Einzelheiten vernimmt, ist Kathi klar, dass da mehr dahintersteckt und sie beginnt Fragen zu stellen: Wie kann sich Nil eine teure Wohnung mit noch teurerem Interieur leisten? Ist der Inhalt ihres Buchmanuskripts so brisant, dass man sie dafür verstummen lassen wollte? Und wer ist ihr unbekannter Liebhaber? 


Kathi wirkt unruhig und getrieben. Paradox, dass trotz ihrer Nervosität die Ermittlungen langweilig und öde sind. Oft zeigte sie mehr Interesse an Nils attraktivem Nachbar Armin als an ihren Recherchen. Ich wartete von Seite zu Seite darauf, dass endlich ein wenig Schwung in die Sache rein kommt. Als gegen Ende immer noch keine Spannung auftauchen wollte, hoffte ich auf ein fulminantes Finale. Oft haut ein gutes Ende einen mauen Krimi nochmals raus, aber diesmal hoffte ich vergebens. Die Auflösung plätscherte fast übers Ende hinaus. 

Wochenlang habe ich mich um diese Zeilen gedrückt. Angefangen zu schreiben, gelöscht, wieder Sätze getippt, gewartet. Doch es bleibt wie es ist. Ich bin enttäuscht. 

Vielleicht lag es an zu vielen Nebensächlichkeiten oder an der zu grossen Bandbreite an Themen, die die Autorin eingeflochten hat und die Aufklärung des Falles eher verlangsamt haben als packend gemacht. Ich weiss nur eins: ich möchte die alte Kathi zurück.

Fazit: Alle guten Dinge sind drei. So auch in dieser Serie. Der vierte Band kommt nicht an die Vorgänger heran und enttäuschte.