Freitag, 30. September 2016

Lesebiografie September 2016

- Die Canterbury Schwestern von Kim Wright 
- Glück ist wenn man trotzdem liebt von Petra Hülsmann 
- Tödlicher Lavendel von Remy Eyssen 
- Schwarzer Lavendel von Remy Eyssen 
- Portugiesisches Erbe von Luis Sellano 
- Letzter Kirtag von Herbert Dutzler (Ein Altaussee-Krimi 1)   
- Zimtsommer von Sarah Jio  
- Cherringham Krimi 1: Tiefer Grund von Matthew Costello und Neil Richards
- Das Weihnachtsdorf (Maierhofen 2) von Petra Durst-Benning
- Mord unter Brüdern von Jean G. Goodhind 
- Gestorben wird früher (Mabel Clarence-Serie 6) von Rebecca Michéle 
- Blutroter Flieder von Mareike Marlow

KrimiMimi: Letzter Kirtag von Herbert Dutzler (Gasperlmaier-Krimi 1)

Klappentext:
So etwas hatte selbst der Gasperlmaier noch nie gesehen. Dabei ist ihm schon vieles untergekommen, schließlich ist Gasperlmaier seit mehr als zwanzig Jahren Polizist in Altaussee. Aber ein Erstochener am Montag in der Früh im Festzelt vom Altausseer Kirtag, das ist auch für ein gestandenes Mannsbild wie ihn zu viel. Und so trifft er eine falsche Entscheidung, nicht die letzte an diesem Tag, und auch der Tote, der in seinem eigenen Blut im Festzelt hockt, wird nicht das einzige Opfer bleiben. 



Der erste Fall für Gasperlmaier, der - man glaubt es kaum - bereits seit 20 Jahren Polizist in Alttaussee ist. Morgens entdeckt er einen toten Mann im Bierzelt und schleift ihn kurzerhand ins Pissoir, damit die Festbesucher in aller Ruhe bzw. Ausgelassenheit weiter feiern können.... 

An österreichischen Krimis kannte ich bisher nur "Kommissar Rex". Was für Kommissar Rex und sein Team die Wurstsemmel ist, ist für Polizist Gasperlmaier der Schnaps. An Kirtagen geht das ja gerade noch, aber sonst?

Wir haben hier einen dümmlichen, naiven Polizisten mit angeblich über 20 Jahren Berufserfahrung, der meint es falle niemandem auf, wenn man eine Leiche bewegt. Dazu einen peinlichen Gerichtsmediziner, der ausschliesslich schlüpfrige Witze erzählt. Gasperlmaiers Chef ist auch nicht viel besser, er hat wie Gasperlmaier ein grosses Problem mit Frauen. Kaum hat eine einen kurzen Rock an, wissen die Polizisten kaum mehr wo hingucken. Fast auf jeder Seite fällt ihnen zuerst die Oberweite der Frauen oder ihre restliche Kleidung auf, etwa "Unterhose mit Schnürl durch". Nicht mal die aufgebotene Frau Doktor Kohlross von der Bezirkspolizei wird ausgelassen. Von ihr ist Gasperlmaier erotisiert und er setzt "ein etwas blöde wirkendes Lächeln" auf. 
Ich frage mich, wie so einer wie Gasperlmaier Polizist werden konnte. Bringt kaum einen vernünftigen Satz heraus und ist mehr Fremdenführer für die Kohlross als ein selbstbewusster Polizist. Seine Frau Christine ist bei weitem die bessere Ermittlerin als Gasperlmaier selbst, der rein gar kein Fettnäpfchen auslässt.

Ich nehme an, der Autor wollte mit seinem Text humorvoll rüberkommen, aber an solchen geballten sexistischen Äusserungen auf praktisch jeder Seite finde ich nichts lustig.
Ihr seht, ich bin absolut nicht warm geworden mit diesem steirischen Regionalkrimi, der neben oben genannten Attributen mit seitenweise purem Dialekt und dialektdurchzogenem Hochdeutsch glänzt. Klischeegetränkt durch und durch; und voller Vorurteile (die armen Wiener!)

Fazit:  Eigentlich könnte ich das Gespann Gasperlmaier/Kohlross mögen, wenn nicht alles auf Gedeih und Verderben derart hinterwäldlerisch daher kommen würde. Schade. 
2 Punkte.

Dienstag, 27. September 2016

KrimiMimi: Portugiesisches Erbe von Luis Sellano

Klappentext:
Henrik Falkner weiß kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird.


Durch eine Leseprobe und das Verfolgen einer Blogtour (hier die Zusammenfassung der Blogtour und die Links zu den einzelnen Beiträgen) und dem ganz toll gestalteten Cover wurde ich neugierig auf diesen Krimi von Luis Sellano.

Im Krimi wird erzählt von Henrik, der von einem Notar nach Lissabon gerufen wird. Von seinem, ihm nur durch Hörensagen bekannten, Onkel hat Henrik anscheinend ein Haus vererbt bekommen. Ganz traut Henrik der Sache nicht und zu Recht ist er misstrauisch, denn er fühlt sich verfolgt und soll zudem ein Rätsel lösen. Henrik würde die Hinweise schon finden, so steht es im Testament. Von den Hausbewohnern ist keine Hilfe zu erwarten, sie wollen bloss wissen, ob sie weiterhin im Haus wohnen können oder nicht. Henrik hat keine Ahnung, wie sein Onkel gelebt hatte, wie er sein Geld verdiente und sein Antiquariat führte und wieso er zum Erben gewählt wurde. Zufällig findet Henrik einen ersten Hinweis, den er überprüfen will...

Was am Anfang noch okay war, nervte mich immer mehr: alles geschieht zufällig - Henrik "weiss" jeweils mit einem Blick dies ist ein Zeichen, diese Visitenkarte ist die richtige, dieses Haus muss es sein, genau dieser Name auf einer Liste hilft mir weiter, etc. Ein solch zufälliger Hinweis stört mich nicht, aber durchs Band hinweg war mir das echt zuviel. Zufall an Zufall wird aneinandergereiht - solide Ermittlerarbeit geht anders.

Unstimmig sind auch viele Szenen, wie zum Beispiel als Henrik in Dreck und Asche lag, sich befreien konnte und dann so dreckig wie er ist, mit der Strassenbahn quer durch die Stadt fährt und derart verdreckt und ungewaschen mit einer attraktiven Frau schläft. Entweder war die "in Schutt und Asche liegen"-Szene nicht so schlimm wie es sich las oder der Autor dachte nicht mehr an den demolierten Helden. Es bleibt auch nicht bei der einen Frau, es folgt in Kürze eine weitere; immerhin ist er dann geduscht, aber ganz kann ich ihm das seitenweise Trauern um seine verstorbene Frau deshalb nicht abnehmen. 
Henrik steht immer im Mittelpunkt, seine wenigen Gehilfen verblassen neben ihm. Er rennt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, erlebt viele brenzlige Situationen: die ganze Geschichte um das Haus und das Leben seines Onkels dünken mich extrem konstruiert. 

"Portugiesisches Erbe" ist ein toller Reiseführer durch Lissabon, aber kein schlüssiger und stimmiger Krimi. Er ist zwar actionreich, aber rein alles geschieht zufällig ohne wirkliche Ermittlungsarbeit. Am Ende ist trotz aller Action nicht alles aufgelöst und verweist auf einen Folgeband. Die Geschichte ist sehr zäh zu lesen und die eigentlich gute Idee des aufzulösenden Verbrechens ist schlecht umgesetzt. 
Wer gerne Action ohne viel Sinn liest, dem könnte dieser Krimi gefallen.  

Fazit: Portugiesisches Erbe hinterlässt mich unzufrieden und enttäuscht. 
2.5 Punkte.

Vielen Dank an den Heyne Verlag und Random House! 
(Über diesen Link findet ihr auch eine Stadttour und Tipps für eure Lissabonreise.)

Montag, 26. September 2016

Das Weihnachtsdorf von Petra Durst-Benning (Maierhofen Band 2)

Klappentext:
Es ist Anfang Dezember im malerischen Allgäu. Maierhofen liegt friedlich im Schnee, Kerzenlicht funkelt in den Häusern. Der Trubel des Sommers ist längst vorbei, das große Kräuter-der-Provinz-Festival nur noch eine schöne Erinnerung. Langweilig wird es im Genießerdorf jedoch lange nicht, denn der erste Weihnachtsmarkt steht bevor. Wenn es nach Werbefrau Greta geht, haben dort Plastik-Nikoläuse und billiger Glühwein nichts verloren. Wird es aber den Maierhofenern gelingen, das Wahre und Gute in den Winter hinüberzuretten? Therese freut sich auf Feiertage in trauter Zweisamkeit, doch jemand will ihre Pläne durchkreuzen. Und während es Christine vor ihrem ersten Fest alleine graut, werden Roswitha und Edy auf die Probe gestellt. Junges Liebesglück, neue Sehnsüchte und zerschlagene Hoffnungen brauen sich zusammen wie Winterstürme. Wie viele kleine Wunder braucht es für das große Glück. 

Nach dem tollen Sommerfest sind wir zum Weihnachtsmarkt und Weihnachtsfest erneut nach Maierhofen eingeladen.
Auffallend ist die geringe Seitenzahl im Vergleich zum ersten Band "Kräuter der Provinz" und des im März 2017 erscheinenden dritten Bandes. Anstatt 512 Seiten wartete "Das Weihnachtsdorf" nur mit 208 Seiten auf. 

Doch die sind prall gefüllt mit Weihnachtsvorbereitungen, denn das Buch beginnt in der ersten Dezemberwoche. Während Therese ihre Nikoläuse auspackt, denkt sie zurück an letztes Jahr, in dem sich ihr Dorf quasi neu erfunden hat. Die Maierhofener sind noch immer begeistert von all den positiven Veränderungen und planen nun den ersten Weihnachtsmarkt. 
Therese will ihr Restaurant und die Pension über Weihnachten zu schliessen, um zusammen mit Sam ein ruhiges Weihnachtsfest zu erleben. Auch Greta und Vincent wollen zusammen feiern und den anderen jeweils mit einem tollen Geschenk überraschen. Christine freut sich auf den Besuch ihrer beiden Töchter, ihre ersten Weihnachten ohne ihren Ex-Mann Herbert. 
Nur Rosi freut sich nicht auf die Weihnachtstage, ihr wird alles zuviel. Ihre Kartoffelchips sind erfolgreich und sie müsste noch mehr Zeit investieren um allen Nachfragen gerecht zu werden. Auch die vegane "Metzgerei" von Edy, in der Rosi sich um den Versandhandel kümmert, floriert und ihre senilen Eltern kann sie nach wie vor nicht alleine lassen. Als sie ungewollt ein Telefongespräch von Edy mit anhört, fürchtet sie um ihre Beziehung...

Die Emotionen fliegen hoch in "Das Weihnachtsdorf". Erwartungen, Wünsche und Überraschungen - negative wie positive - machen den Maierhofener zu schaffen. Ich fand es schön, alten Bekannten wie Heidi Hutter zu begegnen und auch neue Personen wie die Geschwister von Rosi kennen zu lernen. Doch genau von diesen dreien hätte ich gerne mehr gelesen. Ich hoffe fest, dass man von ihnen im dritten Teil nochmals liest, denn ihre Geschichten wurden für mich nicht zu Ende erzählt. 

Viele weihnachtliche Rezepte für Punsch, Glühwein, Liköre und Backwaren vervollständigen das Buch. Von daher ist es fast schade, das Buch an einem schönen Herbsttag zu lesen, so wie ich es getan habe. Ich möchte erst noch den Herbst geniessen, bevor ich weihnachtlich gestimmt bin. Doch spätestens im November wird es Zeit für diesen kurzen Roman, er stimmt sehr gut auf Weihnachten ein.

Der kurze Roman macht Lust es den Maierhofener gleichzutun und das Haus im Advent zu dekorieren, Geschenke auszuwählen, Glühwein trinken und zu backen. Doch der Roman lehrt uns auch daran zu denken, dass man sich nicht zu sehr auf die eigenen Pläne versteifen soll. Man weiss nie, was einen erwartet.

Fazit: Weihnachtsfeeling pur! 
4 Punkte.


Reihenfolge der Maierhofen-Serie:
2. Band: Das Weihnachtsdorf 
3. Band: Die Blütensammlerin - erscheint am 20. März 2017 

Montagsfrage 26.09.2016



Welches Buch hast du zuletzt aufgrund der Rezension eines anderen Buchbloggers gelesen?

Ich lese bei anderen Blogs gerne Rezensionen zu Büchern, die ich mich eh interessieren, sei es, weil sie schon auf meinem SuB sind, ich sie gerade lese oder bereits gelesen habe oder die sich noch auf meiner Wunschliste befinden. 

Es kann sein, dass ich nach dem Lesen einer Rezi zu einem bestimmten Buch schneller zum besprochenen Buch greife, aber da die Bücher eh schon auf meiner Leseliste sind, lese ich sie nicht wirklich aufgrund der anderen Rezi. Die Rezis machen mich dann eher neugierig oder glustig auf meine noch nicht gelesenen Bücher, und dann stelle ich vielleicht die Reihenfolge um, in der ich sie lesen wollte :-)

Bei mir ist es eher so, dass ich bei einigen eventuell interessanten Büchern abwarte und erst Rezensionen dazu lese, bevor ich sie mir kaufe oder ausleihe. 
Gerade wenn es sich um ein Buch eines Autoren handelt, dessen letztes Buch mich nicht vollends überzeugt hat oder ich beim Lesen des letzten Buches überrascht war, weil das Thema ganz anders war als im Klappentext besprochen. 
So geschehen bei Katrin Tempel: zu ihrem ersten Buch "Holunderliebe" hatte ich einige Kritik und bei ihrem zweiten Roman "Mandeljahre" erwartete mich ein anderer Inhalt als auf dem Klappentext angegeben. Deshalb wartete bei "Rosmarinträume" die Rezensionen dazu ab, und entschied mich daraufhin, das Buch vorerst nicht zu lesen. 


Und sonst so...
Ich besuchte gestern eine Kürbisfarm und bin jetzt ganz in Herbstlaune, auch in der Küche. Gestern gabs neben einem Pumpkin Spice Soja Latte auch Coleslaw mit Kürbis, Donnerstag und Freitag bereits Kürbissuppe. Und heute werde ich selbst noch einen Pumpkin Spice Syrup herstellen...

Und ich weiss nun gar nicht, ob ich zuerst meine Spätsommerromane oder bereits die Herbstkrimis lesen soll ;-) Deshalb überspringe ich heute einfach mal die Jahreszeit, zumindest Rezensions-mässig, und stelle heute im Laufe des Tages meine erste Weihnachtsroman-Rezi dieses Jahres online. Danach aber schnell zurück zum wunderschönen Herbst - ich wünsche euch eine schöne Altweibersommer-Woche!




Freitag, 23. September 2016

KrimiMimi: Schwarzer Lavendel von Remy Eyssen (Leon Ritter Band 2)

Klappentext:
In der Provence ticken die Uhren langsamer. Daran gewöhnt sich der deutsche Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter nur schwer. Jetzt beginnt rund um das Städtchen Le Lavandou gerade die Weinlese, und zu seiner eigenen Überraschung wird Ritter selbst Besitzer eines kleinen Weinbergs. Aber die Freude darüber währt nur kurz, denn statt edler Reben wird auf dem Grundstück eine mumifizierte Frauenleiche entdeckt. Der detailversessene Ritter erkennt schnell: Die Tote wurde professionell einbalsamiert. Als eine weitere junge Frau als vermisst gemeldet wird, findet Ritter heraus, dass beide Frauen für die Weinernte in die Provence kamen. Macht jemand Jagd auf junge Erntehelferinnen?

Direkt nachdem ich den ersten Band ausgelesen hatte, griff ich zum zweiten Band der Leon Ritter-Krimiserei, zu "Schwarzer Lavendel", und versetzte mich gleich wieder in die beschauliche Provence. 

Leon lebt mittlerweile seit über einem Jahr in Le Lavandou, nach wie vor bei Isabelle. Diese hält ihre Tochter Lilou kurz, sie hat Angst um sie, verständlich nach den Vorfällen im ersten Band. Leon versteht es zu vermitteln, er hat einen guten Draht zu Lilou. Auch zu Isabelle - zwischen ihnen knistert es gehörig. Was den eifersüchtigen Polizeichef Zerna noch unberechenbarer macht und noch gereizter als eh schon auf Leon reagiert.
Leon erbt einen Weinberg und freut sich, doch die Behörden wollen ihm seinen Besitz nicht gönnen. Als eine Leiche auf seinem neuen Grundstück gefunden wird, wird er fast noch selbst verdächtigt. Die mumifizierte Leiche lenkt ihn zum Glück ab und fasziniert ihn; selten bekommt er solch gut erhaltene Leichen auf den Tisch. Isabelle kümmert sich derweil um Anna Winter, eine Deutsche, die ihre Schwester vermisst. Viel zu spät merken die Ermittler, dass ein Zusammenhang besteht und auch Anna in Gefahr ist.

Der Krimi-Aufbau ist ähnlich wie im ersten Band. Ich befürchtete schon, dass zuviel Ähnlichkeiten auftauchen, doch der Autor bekam den Rank gerade noch. Für einen allfälligen dritten Band wünsche ich mir ein, zwei Personen mehr, die als Täter in Frage kommen, sonst wird es mir langweilig. Auch wenn falsche Fährten ausgelegt wurden, war mir (wie bereits im ersten Band) schnell klar, wer da seine Finger im Spiel hat. 
Irgendwie stört es mich ein wenig, dass die Titel nicht wirklich zum Inhalt passen. Die Ortschaft Le Lavandou erinnert zwar an den Lavendel im Titel, doch ansonsten haben sie nichts mit dem Inhalt gemein.
Eine weitere kleine Ungereimtheit hat sich mir eröffnet, als Monique gegen Ende des Buches einen kritischen Blick auf Isabelle wirft. Als ob sie sich nicht kennen. Jedoch hat Monique Leon anfangs des ersten Teils die Unterkunft bei Isabelle empfohlen, weil Isabelle die Schwester von Moniques Schwager ist. Da nahm ich an, dass die zwei Frauen sich kennen, was jetzt aber gar nicht so tönte.  
Es sind nur diese kleinen unrunden Details, die meine einzigen Kritikpunkte an der Leon-Ritter-Serie sind.  

Die Kapitel sind kurz und somit für alle die abends im Bett "nur noch schnell ein Kapitel" lesen (und daraus dann mindestens drei weitere Kapitel werden... oder mehr...) ideal. 
Wie schon im ersten Band analysiert Leon seine Mitmenschen, er kann fast nicht anders und stellt hier eine beginnende Parkinson oder dort Diabetes fest - was er wohlweislich für sich behält. Auf seinen Autofahren hört er mit Vergnügen Radio Nostalgie (kann man übrigens übers Internet hören - für passende Musik während der Lektüre ist gesorgt!) , denkt über seine Fälle nach und geniesst die Ruhe, die er bei seinen Besuchen auf dem Polizeirevier nicht hatDort herrschen die üblichen Rangeleien zwischen Zerna und Kommissarin Lapierre, und Masclau riskiert nicht nur auf dem Revier zu oft eine grosse Klappe (und ich wette, in einem der nächsten Büchern fällt er tief), sondern auch beim Boulespiel. Die Boule-Clique ist auch in diesem Band mit dabei. Ihre, wie auch sämtliche andere Charaktere im Buch, sind auch dieses Mal treffend gezeichnet. Veronique gefällt mir fast am besten.

Ich habe den Kriminalfall sehr gerne gelesen, mir gefallen die Beschreibungen der Umgebung, finde die Figuren toll dargestellt, Leon ist mir sympathisch, ich mag sein Durchhaltewillen, der Fall ist spannend und stimmig. 
Da der Krimi im Herbst spielt, passt er momentan hervorragend zur Saison und allen, die gerne "saisonal" lesen, kann ich ihn nur empfehlen. 

Fazit: Ein schlüssiger und vor allem spannender Kriminalfall mit viel Lokalkolorit. 
4 Punkte. 

Vielen Dank an den Ullstein Verlag!

Reihenfolge:

Band 1: Tödlicher Lavendel
Band 2: Schwarzer Lavendel

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Mittwoch, 21. September 2016

KrimiMimi: Tödlicher Lavendel von Remy Eyssen (Leon Ritter Band 1)

Klappentext:
Eigentlich hatte sich Rechtsmedizinier Dr. Leon Ritter auf einen entspannten Job in der Sonne gefreut. Doch kaum im Örtchen Lavandou angekommen, liegt schon sein erster Fall auf dem Tisch. Ein Mädchenmörder geht in der Provence um. Zwei weitere Mädchen sterben, und alle Spuren laufen scheinbar ins Leere. Ritter kämpft nicht nur gegen eine perfiden Märder, sondern auch mit dem Laisserfaire der südfranzösischen Behörden. Als plötzlich die Tochter seiner Kollegin Isabell Morell entführt wird, wird es heiss in Lavandou, sehr heiss sogar. Und Ritter merkt, dass sogar sein eigenes Urteilsvermögen getrübt ist.


Schon lange liegt der Krimi auf meinem SuB. Viel zu lange, wie sich beim Lesen herausstellte.

Der deutsche Arzt Leon Ritter wechselte vor einigen Jahren in die Pathologie weil er keine Angehörigen mehr betrügen wollte: ihnen sagen, dass es für die Angehörigen Hoffnung gibt, obwohl es nicht so war. Er liebt seinen Beruf als Gerichtsmediziner und verlässt Deutschland um in Frankreich eine Stelle in der Klinik Saint Sulpice anzunehmen. Er kommt eine Woche zu früh - weder ist seine Wohnung bereit noch sein Chef vor Ort. Monique, die Krankenhaus-Sekretärin verhilft ihm zu einem Gästezimmer in Le Lavandou, im Haus von der stellvertretenden Polizeichefin Isabelle Morell und ihrer 15jährigen Tochter Lilou. Doch anstatt eine Woche Ferien, auf die sich Leon schnell eingestellt hat, bekommen er und Isabelle Arbeit. Ein kleines Mädchen wird vermisst und bald tot aufgefunden. Die Behörden vor Ort, der Bürgermeister Daniel Nortier wie auch Polizeichef Thierry Zerna, möchten den Fall vertuschen, damit ihr Dorffest wie geplant durchgeführt werden kann. Aber Leon lässt diese Vertuschung nicht zu, seine Ergebnisse sprechen für sich, womit er die Wut von Zerna auf sich zieht.


Leon hat es also nicht so leicht an seiner neuen Stelle. Der cholerische Polizeichef Zerna lässt sich nicht reinreden; Didier Masclau, Isabelles Assistent, ist ein prolliger Beamte mit vielen Vorurteilen und vorschnellen Handlungen, die er nur zu gerne kundtut. Immerhin ist Sous-Lieutenant Moma Kadir der besonnenste auf dem Revier. Aus Toulon wird Kommissarin Patricia Lapierre hinzugerufen, was für etliche Schlagabtausche mit Zerna führt. Sobald die zwei sich nichts mehr zu sagen haben, trumpft Leon mit seinen Ergebnissen auf. Er lässt sich nicht einschüchtern und arbeitet genau; sein ruhiger Assistent Olivier Rybaud hilft ihm dabei. Doch auch von aussen droht immer wieder Ärger: Fotograf Tony und die Journalistin Brigitte Menez vom Var-Matin stören die Ermittlungen immer wieder.


In Le Lavandou freundet sich Leon mit den Boulespielern des Ortes an: mit Rechtsanwalt Gerard le Blanc, mit der 83jährigen Kettenraucherin Veronique und mit dem kauzigen Rollstuhlfahrer Jean-Claude. Während und nach ihren Spielen werden sie im Café Chez Miou von Jeremy und Yolande verköstigt. Diese Kontakte sind ihm auch für seine Arbeit wertvoll, den von ihnen bekommt er immer wieder Einblicke oder Informationen über frühere Geschehnisse oder auffällige Mitbürger.


Die Vorstellung aller Beteiligten dieser Krimireihe wurde in diesem ersten Band gut in die Handlung integriert. Ich flog von Zeile zu Zeile, auch wenn ich Kindermordfälle an sich nicht mag. Im Gegensatz zu anderen Krimiserien spielen sich viele Szenen in der Pathologie ab. Wer sich CSI, Bones, Rizzoli & Isles und Konsorten gewohnt ist, kennt das ja schon, trotzdem fand ich die Beschreibungen, wie Leon sich auf seine ureigene Spurensuche macht, sehr interessant. Er beschränkt sich aber nicht nur auf seine Erkenntnisse in der Pathologie, er ermittelt auch draussen erfolgreich, was vor allem bei Zerna negativ aufstösst. 


Die Krimihandlung an sich ist schlüssig und fesselnd, trotz der dramatischen Geschichte gibt es auch humorvolle Szenen, zum Beispiel wenn Leon mit Jean-Claude diskutiert. 


Das zu-lange-auf-dem-SuB-liegen hat einen Vorteil: ich konnte direkt nach der letzten Zeile zum zweiten Band greifen! 

Fazit: Ganz selten vergebe ich Krimis 5 Punkte, doch dieser Erstling hat mich derart gut unterhalten und überzeugt, so dass er die maximale Punktzahl bekommt! 
5 Punkte.

Reihenfolge Leon Ritter-Serie:
Band 1: Tödlicher Lavendel
Band 2: Schwarzer Lavendel